Berlinspiriert Artikel: Neugier ist unverzichtbar

NEUGIER IST UNVERZICHTBAR‘
für die Politik Orange zum Schülerzeitungswettbewerb der Länder 2008

Freier Journalist oder Festanstellung – beide Arbeitsformen haben ihre guten Seiten. In der Agentur
„Redaktion und Alltag‘ erhalten die Schülerzeitungsmacher einen Einblick in beide Welten.
Von Tatjana Sochowski

In der Pasteurstraße im Berliner Szene-
Kiez Prenzlauer Berg werden Medien
gemacht. Hier befindet sich das Büro
der Medienagentur „Redaktion und
Alltag‘, die unter anderem verantwortlich
ist für fluter.de, das Online-Portal
des Jugendmagazins der Bundeszentrale
für politische Bildung (bpb). Insgesamt
rund 400 freie Journalisten sind für das
Magazin verantwortlich, sie berichten
aus allen Teilen der Welt.
Gut, dass die Autoren über den Globus
verteilt sind, denn in den Räumen im
Prenzlauer Berg wäre wohl kaum Platz
für alle. Schon mit den Teilnehmern
des Schülerzeitungswettbewerbs, die
hier etwas über Digitale Bohème lernen
sollen, sind die Räume gut gefüllt.
Digitale Bohème, das lernen die jungen
Medienmacher dann auch schnell,
bedeutet unter anderem: Mit Laptop
und Handy bestückt von überall auf
der ganzen Welt zu arbeiten. Zuhause
ist dort, wo W-LAN ist – dieses Motto
praktizieren nicht nur die freien Mitarbeiter
von „Redaktion und Alltag‘,
sondern immer mehr Journalisten und
Medienmacher.
„Der Vorteil am Leben eines freien
Journalisten steckt schon im Namen‘,
erklärt Tobias Asmuth, Politikredakteur
bei „Redaktion und Alltag‘, die positive
Seite an seinem Beruf. „Man genießt
eine gewisse Freiheit, über seinen Beruf
und seinen Alltag zu bestimmen.‘ Klingt
gut, klingt nach Selbstbestimmung und
Spaß: Nächte durcharbeiten und tagsüber
faulenzen, Urlaub nehmen wann
immer man Lust hat, bei gutem Wetter
mit dem Laptop im Park verschwinden.
Das gelingt allerdings nur dann, wenn
man einigermaßen organisiert ist.
Tobias Asmuth weiß: „Man sollte
regelmäßig Kontakt zu den Redakteuren
in den Zeitungen oder Sendern haben,
mit denen man arbeitet. Man muss
immer auf dem Laufenden sein und
wissen, welche Themen gerade diskutiert
werden.‘
Als freier Journalist zu arbeiten hat ein
bisschen was von Sozialromantik. Ein
Dasein, das früher die fahrenden Händler
lebten, die Gaukler und Zirkusleute,
das imitieren heute die Vertreter der
digitalen Bohème. Oftmals tun sie das
allerdings nicht freiwillig, sondern aus
der Not heraus, denn feste Anstellungen
sind in der Medienwelt rar. So sieht
die Gegenwelt zum Dasein des freien
Journalisten aus: Ein fest angestellter
Journalist muss sich nicht jeden Monat
darum kümmern, dass er genügend
Aufträge bekommt, damit am Ende
das Geld stimmt. Er hat einen festen
Arbeitsplatz, ein festes Einkommen,
einen strukturierten Tagesablauf. Das
ist nicht jedermanns Sache: „Ein festgefahrener
Arbeitsalltag lässt die Arbeit
schnell eintönig werden‘, kritisiert Tobias
Asmuth. Und Langeweile ist Gift für eine
kreative Tätigkeit.
Freier Journalismus oder Festanstellung?
So einfach die Frage ist, so schwer
lässt sie sich beantworten. Letztlich ist
es eine Frage persönlicher Präferenzen.
Und so gibt Tobias Asmuth den Schülerzeitungsredakteuren
wichtige Ratschläge
mit auf den Weg: „Findet einen
Rhythmus, um eueren Aufwand und den
finanziellen Ertrag ins richtige Verhältnis
zu bringen‘, sagt er. Können und Kenntnisse
reichen in diesem Berufsfeld nicht
aus. Wichtig sei außerdem, „dass man
sich eine Art Netzwerk aufbaut, denn im
Journalismus läuft unglaublich viel über
Kontakte.‘ Und was ist mit den Grundfertigkeiten
eines Journalisten? Auch
die, versichert Tobias Asmuth, seien
nicht ausgestorben. „Neugier und der
Wunsch, den Lesern oder Zuschauern
etwas mitzuteilen, sind unverzichtbare
Voraussetzung für den Beruf.‘

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Berlinspiriert Artikel: Ganz am Anfang

GANZ AM ANFANG
für die Politik Orange zum Schülerzeitungswettbewerb der Länder 2008

Eine Schule ohne Schülerzeitung: Das geht so nicht, dachten sich
eine Handvoll junger Medienmacher. Kurzerhand gründeten sie
eine Redaktion. Die Geschichte eines Anfangs, wie er sich in jeder
Schülerzeitungsredaktion in Deutschland ereignen könnte.
Von Tatjana Sochowski

Gib dir die „Kante 2.0′. Der ungewöhnliche
Slogan, mit dem die Schülerzeitung
ihre Leser wirbt, ist zum
einen eine Anspielung auf den Namen
der Kant-Oberschule. Zum anderen
zeigt es deutlich, um was es hier geht:
Die Schülerzeitung „Kante 2.0′ ist
die Neuauflage ihres Vorgängers, der
Schülerzeitung Kante.
Die 18 Jahre alte Schülerin Alexandra
Sonnenwald leitet die Redaktion
ihrer Schülerzeitung. Sie hauchte
mit tatkräftiger Unterstützung ihrer
Schulkameraden der vergessenen Zeitung
neues Leben ein. Die Redaktionsmitglieder
waren allesamt zu
dem selben Schluss gekommen:
Einer Schule fehlt etwas ohne eine
Schülerzeitung.
„Wir merkten, dass auf unserer
Schule ein Kommunikationsproblem
zwischen den Schülern der Ober – und
Unterstufe besteht!‘, sagt Jonny Hertzog.
Der 17 Jahre alte Chefredakteur
von „Kante 2.0′ hat ein Ziel: „Wenn
etwas an unserer Schule passiert, will
ich allen die Möglichkeit geben, dies
zu erfahren!‘.
Die Kommunikation zwischen den
einzelnen Stufen zu fördern, war nicht
der einzige Grund für die jungen
Medienmacher, um ihre Schülerzeitung
neu aufleben zu lassen. Die Redakteure
beschäftigten sich außerdem mit allgemeinen
und aktuellen Themen, die in
anderen Medien sehr präsent waren,
wie zum Beispiel mit Streik des öffentlichen
Nahverkehrs in Berlin oder dem
Bürgerentscheid zur Schließung des
Flughafens Tempelhof. Den Schülern
geht es dabei allerdings nicht darum,
die Berichterstattung der tagesaktuellen
Medien zu kopieren, im Gegenteil:
„In Kiosk-Blättern sind die Artikel
oft zu allgemein, ohne Bezug auf den
Bürger‘, meint Alexandra. „Unsere
Herangehensweise ist anders. In unseren
Artikeln fragen wir uns, welche
Auswirkungen die einzelnen Probleme
vor allem für Schüler haben.‘
Die Ziele waren hoch gesteckt, doch
die Neugründung der Schülerzeitung
brachte auch Hürden und Herausforderungen
mit sich. Fleißig grübelten die
Redakteure über dem Gesamtkonzept:
Was muss hinein in eine Schülerzeitung?
Was interessiert die Leser? Was ist
wichtig für sie? „Am Ende entschieden
wir uns für eine Mischung aus tagesaktuellen
Themen und schulinternen
Informationen‘, erinnert sich Jonny.
Dann wurden die Nachwuchs-Journalisten
mit den Problemen der Realität
konfrontiert. Ambitionierte Projekte,
das lernten die jungen Medienmacher
schnell, scheitern oft am Geld. Für die
Erstausgabe fanden sich nicht genug
Sponsoren, nur durch eine Spende der
Schule konnte das Projekt „Kante 2.0′
gerettet werden.
Ohne Geld läuft nichts. Für jemanden,
der in den Medien arbeiten
möchte, ist das eine wichtige Lektion.
Mindestens ebenso wichtig ist, die heiße
Phase kurz vor Deadline zu überstehen.
Jonny und Alex haben hier Nerven
bewiesen. „Ausstehende Artikel mussten
in der Nacht vor Drucktermin noch
eingefügt, Rechtschreibfehler korrigiert
und die gesamte Druckversion auf ihre
Richtigkeit überprüft werden‘, erinnert
sich Alex. Und all das, während
mich andere Redakteure per Telefon
über ihre letzten Änderungswünsche
informierten.‘
Die erste Ausgabe ist mittlerweile
fertig, die Redaktion kämpft mit den
typischen Problemen, die bei der
Vermarktung eines neuen Mediums
entstehen. Noch nicht allzu viele Leser,
kaum Feedback, geringer Bekanntheitsgrad.
Doch davon lassen sich die Schülerzeitungsmacher
nicht entmutigen.
„Das Ergebnis unserer Arbeit in den
Händen zu halten, motiviert uns, uns
weiterhin zusammen zu setzen und über
spannende Themen zu recherchieren!‘,
spricht Jonny den Schlusssatz für die gesamte Redaktion.

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Weitere Infos: http://www.myspace.com/tatjanasochowski/ 

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Berlinspiriert Artikel: Eine neue Gang für Berlin

Eine neue Gang für Berlin
für die „PolitikOrange“ zu den Berlin Wahlen 2006

Manchmal stürmen sie Schulen, oder sie starten Guerilla – Aktionen in Parks. Ab und zu feiern s
ie auch wilde Partys. Ja, Berlin hat eine neue Gang. oder vielmehr eine alte, die wieder aktiv geworden ist. Die WAHLGANG Berlin hat es sich zum Auftrag gemacht, Politik unters Volk zu bringen.
Abgesehen haben es die Studenten vor allem auf Erstwähler und Jugendliche, und das ist eine große Zielgruppe: Um die 230.000 Erstwähler gibt es in Berlin. „Das erste Mal sind wir zu den Bundestagswahlen 2002 in Erscheinung getreten“, meint Gregor Scheppan. Der 28 Jahre alte Student ist Geschäftsführer der Politikfabrik, einer studentischen Agentur für politische Kommunikation. „Wir wollen universitäre Theorie mit Praxis verbinden, also die Inhalte aus der Uni in Projekte verpacken“, sagt er. 2002 hat sich die Politikfabrik zum Ziel gesetzt, Jungwähler zur Wahlurne zu bringen. „Das Problem war: Für viele Jugendliche ist Politik ein eher trockenes Thema“, erinnert sich Gregor. Da musste sich die Politikfabrik also etwas Kreatives einfallen lassen, und so wurde die Wahl – Gang geboren. Die außergewöhnlichen Aktionen der Wahl – Gang haben nichts mit trockener Politik zu tun, im Gegenteil: Wenn das orange Wahl – Mobil von Schule zu Schule tourt, hat die Wahl – Gang buntes, peppiges und ansprechendes Info – Material zu den Berliner Wahlen im Gepäcl. In der Wahl – Lounge am Hackeschen Markt werden Diskussionsrunden zu Themen wie Drogen oder Integration veranstaltet. Dann diskutieren prominente Politiker mit Erstwählern auf Augenhöhe. Ein weiterer Höhepunkt der Wahl – Gang sind so genannte Guerilla – Aktionen: In Parks und Schwimmbädern oder auf öffentlichen Plätzen wird die Werbetrommel für die Wahlen gerührt – mit Musik, Showeinlagen und pfiffigen Giveaways.

Der erste Auftritt der Wahlgang 2002 war ein voller Erfolg. Eine Neuauflage hat das Projekt 2005 erfahren und bei den BerlinWahlen 2006 ist die Gang auch wieder am Start. Mittlerweile ist daraus eine große Sache geworden. Gregor Scheppan und sein Kollege Christoph Fahle haben ein Büro gefudnen, sowie zahlreiche Mitkämpfer und Sponsoren, ein eigenes Logo und einen professionellen Internetauftritt – zu finden unter www.wahlgangberlin.de
Das Team hat sich zur Aufgabe gemacht, eine Brücke zwischen Politikern und Jugendlichen zu schaffen, damit sie an Hand von Beweisen zeigen können, dass Politik nicht langweilig ist. Sie versuchen mit ihren Aktionen den Jugendlichen ihr nicht nur politisches Interesse, sondern auch das Interesse an den Jugendlichen selbst klar zu machen. Berlin hat eine neue Gang. Keine Angst – es sind keine Schlägertypen, die Geld oder andere Wertsachen wollen. Diese Gang hat ein anderes Ziel: Möglichst viele Kreuzchen.

von Tatjana Sochowski