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Und der Haifisch, der hat Zähne

Über sicherheitstechnische Probleme und eine (re-) kapitulierenden Campino

Zum 50. Todestag von Bertolt Brecht inszenierte Brandauer die in den Zwanzigern entstandene „Drei Groschen Oper“. Die Vorlage Brechts existierte zwar schonseit 1728, allerdings dauerte es einige Zeit, bis alles perfekt war. Die mitCampino (Mackie Messer), Gottfried John (Mr. Peachum), Katrin Saß (Mrs.Peachum), Birgit Minichmayr (Polly Peachum), Maria Happel (Spelunkenjenny),Michael Kind (Tiger Brown, der Polizeichef) und Jenny Deimling (dessen TochterLucy) neu inszenierte Oper benötigte zwar auch einige Zeit – doch war esdennoch nicht perfekt. Trotz den 3, 5 Millionen Euro Sponsorengeld derDeutschen Bank und dem Medienpartner „der Welt“ waren der Premiere vorersteinige Steine in den Weg gelegt worden. Zuvor wurde der Spielbetrieb ausSicherheitstechnischen Gründen nicht freigegeben, es gab Tausende technischeMängel und die Vorläufige Inbetriebnahme wurde dem Regisseur Klaus MariaBrandauer und seinen Schauspielern ähnlich der „Drei Groschen Oper“ mitgeteilt,in welcher Mackie Messer schon am Galgen hängend vor dem Publikum steht underst in allerletzter Minute von seiner Begnadigung erfährt.
Mit der Premiere der „ Drei Groschen Oper“ sollte auch der Admiralspalast, der1997 geschlossen worden war, neueröffnet werden und ob das wirklich sopassiert, wie alle es sich gedacht hatten, war bis zum letzten Moment unklar.Gerade noch rechtzeitig kam ein Angestellter von der Baufirma und gab das O.K.Die Zeitungen redeten von „der dreckigsten Premiere Berlins“, doch davon merkteman nichts, als ich am Mittwoch, den 30.08.2006 im Admiralspalast war, um michselbst von den Gesangsleistungen Campinos zu überzeugen. Leider wurde ich dannrelativ schnell davon überzeugt, dass sich alles, bis auf den Grund meinesErscheinens – Campinos Auftritt – gelohnt hatte. Ich überlegte lange, warumBrandauer den Sänger einer Düsseldorfer Punk – Rock Band als Mackie Messer auswählte. Campino fühlte sich sehrgeehrt, das Publikum ist sicherlich auch größer geworden, da nicht nur dieüblichen Operngänger angesprochen wurden, aber selbst die eingefleischten„Toten Hosen“ Fans fanden es schwach, da bin ich mir sicher. SeineSchauspielerische Leistung war für einen Rocksänger nicht schlecht, gerade zuerstaunlich gut, allerdings wäre wohl zu erwaren gewesen, dass er gerade aufGrund seiner eigentlichen Herkunft aus dem „Music Biz“ einige Töne treffenkönne. Dies sah er aber anscheinend auch selbst ein und sagte zu einer großenDeutschen Zeitung: Ich kann da sowieso niemandem das Wasser reichen, sondernnur mein Bestes versuchen!“. 1700 zuschauer waren dennoch am Ende begeistert,denn es gab ja Gott sie dank noch andere Schauspieler auf der Bühne, die ihreArbeit wirklich gut gemacht haben. Nicht nur die Schauspieler, auch dieBühnenbildner haben große Arbeit geleistet, eben „so prunkvoll gedacht, wie nurBettler sie erträumen und so billig, dass Bettler sie bezahlen können“.

von Tatjana Sochowski

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